Die Bauhütte bringt jedes Semester immer wieder spannende Themen rund um den professionellen Baualltag. Abwechselnd kommen Architekten und Bauingenieure aus namhaften Unternehmen zu Besuch an die Hochschule am Röntgenring, um über Projekte, Bauwerke oder Erfindungen aus der ganzen Welt zu erzählen.

Am 13. November wurde es besonders für die Bauingenieure der FH spannend. Der Oberbauleiter Michael Beiler des Würzburger Ingenieurbüros DSD Noell berichtete, wie im vergangenen Jahr ein langjähriges Projekt am Schwarzen Meer in Rumänien fertiggestellt wurde. Ein neues Schleusentor trennt nun den Donau-Schwarzmeer Kanal vom Schwarzen Meer. Das alte war über die Jahre kaputt gegangen, verrostet und verdreckt und musste daher erneuert werden.

Die Firma DSD Noell beschäftigt sich mit dem Stahlwasserbau und entwickelte 2013 ein neues 450 Tonnen schweres Schleusentor, welches die Wassermassen voneinander trennen sollte.

Doch so einfach ist das leider nicht. Wie bereits erwähnt, musste hier im Bestand gebaut werden und das bedeutet, man darf nicht bei „0“ anfangen und Planungsfreiheit genießen. Stattdessen gibt es Schnittstellen, an die angebaut werden muss, Maße sind einzuhalten und zusätzlich ist der Schiffsverkehr auch noch zu berücksichtigen, der nebenbei weiterlaufen soll. Die Vorgabe bei diesem Projekt war, auf 10 Millimeter genau zu arbeiten. Keine leichte Sache bei einem Tor, welches 25 Meter breit und 16 Meter hoch ist.

Das alte Tor in Einzelteilen

Zunächst wurde die Schleuse trockengelegt, um Arbeitsraum zu schaffen. Dann begannen die Arbeiten das alte Tor auszubauen. Dieses wurde in viele kleine Teile zersägt und zwischengelagert, um später abtransportiert zu werden. In der Zwischenzeit musste das neue Tor fertiggestellt werden, um für den Einbau bereit zu sein, wenn Ausbau und Säuberung der Schleusanlage abgeschlossen waren. Leider konnte man das schwere, stählerne Tor nicht von Firmen vor Ort konstruieren lassen. Denn bei einem so wichtigen Bauteil musste man sich hundertprozentig auf die Qualität verlassen können und das traute man nur dem eigenen Darmstädter Werk zu. Per Schiffstransport wurde das riesige Tor nach Rumänien geliefert. Aufgrund der riesigen Abmessungen und dem monströsen Gewicht war das Tor für Transport und Einbau in zehn Einzelteile zerlegt worden.

Als dann die Vorarbeiten für den Einbau endlich abgeschlossen waren, wurden die Tor-Teile nacheinander von innen nach außen zusammengesetzt, verschweißt und mit einem speziellen Anstrich vor Wind und Wetter geschützt. Zudem wurden noch die Hubanlage und die Motoren erneuert, die den Koloss anheben und absenken können.

Für das neue Schleusentor musste viel bewegt werden und nun wird es die nächsten Jahrzehnte für geregelte Wasserstände und sicheren Schiffsverkehr sorgen.

Neben Michael Beiler durfte das FORUM Bauhütte auch
Rainer Bahmer von i-rb Haibach (27.11.) sowie Torsten Zimmermann von bauforumstahl e.V. (4.12.) als Gastredner im Wintersemester 2019 begrüßen.

Wir freuen uns schon auf die nächsten Vorträge des FORUM Bauhütte im Sommersemester 2019 – schaut mal vorbei!

Alle Bildrechte gehen an die DSD NOELL GmbH