Zu Beginn des dritten Semesters besuchten wir im Fach Baukonstruktion die Umweltstation in Würzburg. Dort veranstaltete die IHK Würzburg-Schweinfurt einen Vortrag zum Thema Recyclingbeton.

Beton ist bekanntermaßen nicht gerade super für die Energiebilanz eines Gebäudes, denn bei der Herstellung von Zement wird ziemlich viel Kohlenstoffdioxid (CO2) freigesetzt. So viel, dass die Herstellung von Zement etwa 5% des weltweiten Ausstoßes aller Industrie- und Verbrennungsprozesse darstellt. Wie können wir als Planer dem entgegenwirken und das beliebte Baumaterial etwas klimafreundlicher einsetzen?

Die Antwort darauf lautet Recyclingbeton.

Beton besteht in seinen Grundbestandteilen aus Gesteinskörnung, Wasser und Zement. Auch die Rohstoffe für die Gesteinskörnung wie Sand und Kies werden zunehmend knapper und müssen teilweise aus Kroatien oder Skandinavien importiert werden, was zusätzlich zur Verschlechterung der Energiebilanz eines Gebäudes führt. Beim Recyclingbeton wird nun diese Gesteinskörnung durch recycelte Materialien ersetzt. So finden zum Beispiel Glas, Dachziegel, Mauerziegel und natürlich auch alter Beton eine neue Verwendbarkeit. Aber auch Bauabfälle, die beim Bodenaushub anfallen, können wiederverwendet werden. Die Vision bis zum Jahr 2020 ist es, bis zu 70% der Bauabfälle in Recyclingbeton wiederzuverwenden.

Wem das etwas zu experimentell klingt, darf beruhigt sein. Der Recyclingbeton unterläuft ebenfalls einer Qualitätssicherung und muss einer Erst- und Zweitprüfung standhalten. Außerdem beginnt die Qualitätssicherung der recycelten Materialien schon beim Abbruch am Gebäude. Auch die Bandbreite des Einsatzbereichs ist dieselbe wie  beim Normalbeton. Nur für Spannbeton beim Brückenbau ist das neuartige Material noch nicht zugelassen. Bis zur Festigkeitsklasse C30/37 ist der Recyclingbeton in allen herkömmlichen Festigkeitsklassen erhältlich. Am besten man bestellt aus wirtschaftlichen Gründen für die Betonlieferer gleich größere Mengen davon. Auch von der finanziellen Seite her gibt es keine Gegenargumente, da Beton aus recycelten Materialien genauso viel kostet wie Normalbeton.

Wer immer noch nicht überzeugt ist, sollte der Umweltstation in Würzburg mal einen Besuch abstatten. Denn der 2019 fertiggestellte Neubau ist der erste Hochbau in Bayern, bei dessen Erstellung Recyclingbeton zum Einsatz kam.

Wir als angehende Architekten und Bauingenieure sollten in Zukunft also auch mal an alternative Baumaterialien denken und offen für Neues sein. Nur so kann sich die Baubranche weiterentwickeln und gleichzeitig Gutes für unser Klima tun.

Falls euer Interesse geweckt wurde, könnt Ihr euch hier weiter informieren:

Homepage Umweltstation:
https://www.wuerzburg.de/themen/umweltverkehr/umweltstation/wir-ueber-uns/index.html

Homepage Umweltpaket Bayern: https://www.umweltpakt.bayern.de/abfall/aktuelles/3224/neueroeffnete-umweltstation-wuerzburg-mit-recyclingbeton-gebaut

Normen für Recyclingbeton: DIN EN 12620