Die Kirche ist fester Bestandteil unseres Lebens. Doch zunehmend hat diese Institution mit immer größerem Leerstand zu kämpfen. Einige Bauten, stehen seit Jahren ungenutzt im Stadtraum, teilweise verfällt die doch wertvolle Substanz. Gleichzeitig benötigen Städte, die auf Wachstumskurs sind, immer mehr Fläche, um der Nachfrage auch ein gewissen Wohnungsangebot bereitstellen zu können. Wie geht man mit dieser Situation um? Soll man das Konzept der Umnutzung verfolgen oder doch eher abreißen und neu bauen? Zwei Grundstücke, auf denen jeweils eine kirchliche Anlage steht, sollten dabei analysiert und überplant werden. Ganz im Sinne des geförderten Wohnungsbaus war ein umfassendes Raumprogramm, ein festgelegter Wohnungsspiegel und sonstige Bestandteile Grundlage für das Ausarbeiten eines Entwurfes, der sich mit der Gretchenfrage auseinandergesetzt hat. Neben den Wohnungen sollte vor allem auch eine große kommunikative Gemeinschaftsfläche entstehen, die die Bewohner zusammenschweißt und für eine angenehme Wohnatmosphäre sorgen soll. Um den Aspekt der Nachhaltigkeit zu berücksichtigen, mussten die Konzeption und die Materialität dementsprechend gewählt und begründet werden.

Jessica Casagranda

„living in boxes“

ist ein markanter Baukomplex, welcher zukunftsweisenden effizienten Wohnungsbau repräsentiert. Die drei Gebäude bilden eine gestalterische Einheit mit eigenem Charakter. Sie sind so ausgerichtet, dass ein möglichst großer privater Grünraum und ein Platz mit Bäcker und Gemeinschaftsräumen an der Kreuzung entsteht. Die Tiefgarage und Treppenhäuser sind aus Stahlbeton und bilden das Fundament und die Aussteifung für die gesamte Anlage. Die Wohnungen werden als Holzbaumodule mit einem hohen Grad an Vorfertigung auf die Baustelle geliefert und vor Ort montiert.  Durch den modularen Aufbau der Grundrisse und der Flexibilität, sowohl in der Wohnungsstruktur als auch in der Leitungsführung sind jederzeit Änderungen der Wohnungsgrößen möglich. Die vertikale Holzschalung aller Gebäude sorgt für ein ruhiges Erscheinungsbild und lässt die Modularität der Grundrisse nicht erahnen. Die Fassade wird aufgelockert durch verspringende Fenster und Loggien, da die Module innerhalb der Geschosse verspringen.

Konstantin Gerner

Bamberg – steinerne Stadt und Gartenstadt

In Bamberg wird seit dem 17. Jhdt. Gemüsegartenbau betrieben. Durch weite, freie Räume prägt die Gärtnerstadt das Bamberger Stadtbild. Die Idee des Gartenanbaus und der Selbstversorgung in Kombination von sozial gerechtem Wohnungsbau sollte der Leitgedanke des Entwurfes werden. Ziel war es, das vorgegebene Thema „living reduced“ auf möglichst viele Bereiche auszuweiten. Somit setzte ich mit Selbstversorgergärten auch auf „consuming reduced“. Außerdem werden vorzugsweise nachhaltige Baumaterialien verwendet. Ebenso wird die Haustechnik auf ein Minimum reduziert und als „LowTec“-Gebäude konzipiert. Die Wohnungen sind auf das Wesentliche reduziert und orientieren sich jeweils zum Innenbereich des Hofes. Dort erreicht man über einen bespielten Laubengang die Gartenhäuser, die in der Hofmitte mehrgeschossig organisiert sind und gleichzeitig als Treffpunkte funktionieren. Hier findet das soziale Leben statt. Als städtebauliche Reaktion auf ein unattraktives Umfeld möchte ich mit meinem Entwurf einen Impuls am Stadtrand geben, der durch seine Eigenständigkeit ein Startschuss zur Aufwertung des Stadtgebietes sein kann. Hierzu habe ich ein System gewählt, welches sich der Frage der Nachverdichtung annimmt und durch seine einfache Struktur bedarfsgerecht reagieren kann.

Lea Höfling

lapis 3

Trotz polygonaler Formgebung und dem gestalterischen Kontrast zur ortstypsichen Bebauung, fügen sich die drei Baukörper homogen in die Umgebung ein, scheinen aus dem Hang herauszuwachsen. Die Topographie stellt den Ausgangspunkt des Konzepts dar. Auf Grundlage der Höhenlinien entwickelt sich die Kuvatur der Gebäude. Durch diese Setzung entstehen Freiräume mit unterschiedlichen Qualitäten, so gruppieren sich im Zentrum zwei Plätze, welche Raum für Kommunikation und Begegnung bieten sollen. In anderen Zwischenräumen entwickeln sich aufgrund der natürlichen Vegetation Rückzugsflächen für die Bewohner. Die Entwurf zeichnet sich besonders durch das Erschließungskonzept aus, da fast vollständig auf innere Verkehrsflächen verzichtet werden kann. Da jeder Baukörper bedingt durch die Topographie des Grundstücks einen Sockel aus einem Hanggeschoss ausbildet, können die insgesamt 5 verschiedenen Ebenen zur Erschließung von außen genutzt werden. So bekommen die Bewohner durch den direkten Eintritt das Gefühl eines eigenen Hauses. Die Grundrissgestaltung ist im Wesentlichen sehr offen gestaltet und bietet durch Schalträume, welche zu Wohnungen zugeschaltet oder als separate Gästewohnung genutzt werden, eine große Flexibilität. Darüberhinaus sind alle größeren Wohnungen mit privaten Austritten, in Form einer Loggia ausgestattet. Die Fassadengestaltung nimmt sich durch die verschiedenen Putzfassaden bewusst zurück, um die Kuvatur besonders zum Vorschein zu bringen und die monolithische, massive Bauweise zu unterstreichen.

Lukas Kevekordes

Die beiden Nachbargebäude spannen in Richtung des St. Wolfgang-Platzes eine bisher offene Ecke auf, die der Neubau schließt und somit den Platz besser eingrenzt. Um diesen besonders zu betonen wird das Gebäude zum Platz hin um zwei Stockwerke erhöht. Durch zwei breite Eingänge öffnet sich der Solitär zum Viertel. Ziel war es, verdichteten, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Dazu wurden die Wohngeschosse so effizient wie möglich gestaltet und ein Erschließungstypus gewählt, der mit nur vier Treppenhäusern auskommt, ohne an Aufenthaltsqualität zu verlieren. Um der zunehmenden Vereinsamung der Gesellschaft entgegenzuwirken und das sozial schwache Quartier zu stärken, werden im Erdgeschoss ausschließlich gemeinsam nutzbare Flächen bereitgestellt. So bespielt der Neubau den öffentlichen Raum als zeitgemäßer Stadtbaustein mit hoher Aufenthaltsqualität. Der Innenhof sorgt dabei zusätzlich für ein Gemeinschaftsgefühl und bildet einen sicheren Raum, der die verschiedenen Nutzungen verbindet. An die frühere kirchliche Nutzung des Grundstücks erinnert ein zur Morgensonne ausgerichteter Besinnungsraum im obersten Stockwerk.