Häuser zu entwerfen kennen wir alle noch sehr gut von SIMS. Doch wie das richtig läuft, bemerken wir dann erst im Studium. Denn nicht nur der Grundriss ist entscheidend, auch die Anbindung ans Stromnetz, an Wasserversorgung und selbst die Ausrichtung ist von großer Bedeutung.

Wir als angehende Bauingenieure und Architekten befassen uns in solchen Projekten mit der richtigen Entwicklung und Durchführung von Plänen und so finden wir sehr schnell heraus, dass so ein Entwurf leider nicht mehr viel mit dem Computerspiel zu tun hat.

In unserem 2.Semester des Studiums Bauingenieurwesen hatten wir ein Projekt im Fach Baukonstruktion. In diesem Projekt durften wir unsere Fähigkeiten unter Beweis stellen und einen Bibliothekskomplex entwerfen, der neben dem E-Gebäude der Hochschule am Röntgenring liegen sollte.

Neben unzähligen Büchern und Möglichkeiten zum Lernen sollte es natürlich auch genügend Gelegenheit zum Entspannen und Genießen geben. Deshalb ist eine Espresso- und Snackbar wohl die perfekte Wahl für uns koffeinsüchtige und energiehungrige Studenten. Damit wir nach dem ganzen Lernen auch noch genug Kraft schöpfen, um uns selbst feiern zu können, gibt es auch eine Dachterrasse, wodurch wir genügend Sonne für unseren Vitamin D-Haushalt tanken können.

Erstaunlich, was alles zu beachten ist, wenn man ein derart großes Projekt entwickeln will.

Schnell haben wir alle bemerkt, dass die ersten Ideengänge leider nicht umzusetzen sind und man als Gruppe auf die Vorschläge anderer eingehen muss. Während einer die Liebe zu Holz für sich entdeckt hat, findet womöglich ein anderer Beton besser und so kommt es schnell zu verschiedenen Meinungen, bei denen jeder einmal zurückstecken muss. Nicht außer Acht lassen darf man dabei, dass bei solch einem Projekt alles hilft, was man so aus dem 1. und 2. Semester mitgenommen hat.
Für die sanitären Anlagen und damit verbundenen Leitungen ist es von großem Vorteil, wenn man bei der ein oder anderen Vorlesung von Gebäudetechnik anwesend war. Genauso ging es uns mit Technischer Mechanik, für eventuell benötigte Stützen, Wanddicken, Überspanngurte und vieles mehr. Aber vor allem auch die Befassung mit den einzelnen Baustoffen ist unverzichtbar. Auch Absprachen mit den Dozenten, Bauingenieuren, Bauunternehmen, Bauämtern und Statikern sind da herzlichst Willkommen.

Nur leider wird auch viel Wissen von Dinge benötigt, die einem bis dato noch völlig fremd waren. Sich selber im Multi-Tasking zu verbessern hieß, dass man mit dem Telefon am Ohr, dem Kaffee in der einen Hand und der Computermaus in der anderen bis tief in die Nacht versuchen musste, sich einen Überblick der komplexen Welt der Technik zu verschaffen. Lange Rede kurzer Sinn: Für so ein Projekt ist CAD unabdingbar. (Somit ein kleiner Tipp am Rande: Youtube Videos sind ein Geschenk des Himmels und bevor man verzweifelt seine Teamkollegen anruft, kann man sich erst an diesen versuchen.)

Ja, hinter diesem Projekt steckte wirklich mehr Arbeit, Nerven und ab und zu auch Frust als wir dachten, aber wir hatten trotz allem eine Menge Spaß. Das Gefühl nach der Abschluss-Präsentation ein „Bestanden“ hinter seinem Namen zu lesen, war die pure Erleichterung und Freude zugleich. Auch selbst, wenn das Projekt leider nicht umgesetzt werden wird (sag niemals nie), können wir alle sehr stolz auf uns sein. Unsere ersten Erfahrungen als zukünftige Bauingenieur*innen haben wir mit viel Engagement und Freude gesammelt.

Ein Beitrag unserer werkFABrik-Redakteurin Nadja Schenk