– Gastbeitrag von Robert Hagmann –

Kurz zu meiner Person: ich bin Robert, geboren im Jahr 1998 und Dualer Student des Bauingenieurwesens an der FHWS und gelernter Stahlbetonbauer. Ich arbeite seit August 2017 für ein mittelständisches Aschaffenburger Bauunternehmen, welches sich auf den ingenieurmäßigen Brückenbau spezialisiert hat. Bereits in der Oberstufe war mir klar, dass ich Bauleiter werden wollte und deshalb kam für mich nur ein Studium des Bauingenieurwesens in Frage. Nach langer Recherche und einigen Praktika bei örtlichen Baufirmen und der Teilnahme am Baumanagercamp 2015 im Bauindustriezentrum Nürnberg-Wetzendorf entschied ich mich für ein Duales Studium mit IHK-Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer. Nach dem Bewerbungsprozess und einigen Bewerbungsgesprächen habe ich mich schließlich für das Aschaffenburger Unternehmen entschieden.

AUFBAU
Das Duale Studium dauert insgesamt 4,5 Jahre und beginnt mit dem normalen Ausbildungsstart der IHK. In dieser Zeit macht man eine vollwertige IHK-Ausbildung zum Beton- und Stahlbetonbauer (es sind auch andere baupraktische Berufe in fast allen Bausparten wie beispielsweise Straßenbauer, Rohrleitungsbauer oder Zimmermann möglich) und absolviert den Bachelorstudiengang Bauingenieurwesen.

AUSBILDUNGSBEGINN
Das erste Jahr des Dualen Studiums verbringt man nur im Ausbildungsbetrieb und in außerbetrieblichen Ausbildungsstätten. Dort bekommt man tiefreichende Einblicke und Praxiserfahrung in den praktischen Bauablauf. In meinem Fall durfte ich nach einer kurzen Einführung ins Unternehmen und dem „Einkleiden“ schon am ersten Tag in der Schalungsabteilung unserer Firma tätig werden. Nach und nach arbeitete ich dann auf mehreren verschiedenen Baustellen, Seite an Seite mit den gewerblichen Angestellten und konnte mir so viele Tipps und Tricks abschauen. Während des ersten Jahres verging eigentlich kein Tag, ohne dass ich etwas Neues lernen konnte – sei es handwerklicher oder auch bautechnischer Natur. Unterbrochen wurde die Arbeit auf der Baustelle alle paar Wochen durch Wochenkurse im Bauindustriezentrum in Nürnberg. Dort wurden handwerkliche Grundlagen und Techniken für die Arbeit auf der Baustelle vermittelt. Einen Aspekt, den ich dort, wie auch in meiner gesamten Ausbildung sehr genossen habe, ist dass man Einblicke und Erfahrungen in vielen anderen Baubereichen sammelt, auch wenn man nur einen bestimmten Beruf erlernt. So lag zum Beispiel für mich als Stahlbetonbauer der Schwerpunkt auf dem Schalungsbau und damit auf der Arbeit mit Holz und Stahl. Trotzdem durfte ich Kurse unter anderem zum Mauern, Kanalbau, Straßenbau, Fließen legen oder Verputzen absolvieren. Während dieser Kurse lernt man viele weitere Duale Studenten und gewerbliche Auszubildende aus ganz Nordbayern kennen und kann dabei, wie auch auf den unzähligen Baustellenbesuchen, immer neue Kontakte knüpfen. Alles in allem bin ich sehr froh über die Erfahrung auf der Baustelle, da ich vom Ausheben der Baugrube über Schalungs-, Bewehrungs- und Betonierarbeiten bis hin zum Aufbau von Baukränen und der Betonannahme bei der Betonage schon alles mal selbst machen durfte.

STUDIENBEGINN & AUSBILDUNGSENDE
Nach diesem ersten ereignisreichen Jahr beginnt zum Wintersemester dann das Studium an der Fachhochschule. An der FH selbst absolviert man ein „gewöhnliches“ FH-Studium. Allerdings läuft die gewerbliche Ausbildung während des Studiums weiter. Dementsprechend muss man als Dualer Student während der Semesterferien arbeiten oder Kurse besuchen. Da es sich ja um eine normale IHK-Ausbildung handelt, muss man auch eine Zwischen- und Abschlussprüfung absolvieren, die jeweils in den Semesterferien stattfindet. Diese Prüfungen bestehen jeweils aus einem theoretischen und einem praktischen Teil, welche an jeweils unterschiedlichen Tagen abgeprüft werden. Da man davon ausgeht, dass man als Dualer Student die theoretischen Ausbildungsinhalte während des Studiums vermittelt bekommt, besucht man keine Berufsschule. Demnach muss man sich selbst auf die theoretische Prüfung mit Büchern oder Alt-Prüfungen vorbereiten. Auf die praktische Prüfung wird man im Ausbildungsbetrieb oder in der überbetrieblichen Ausbildungsstätte vorbereitet. Nach erfolgreichem Bestehen der Abschlussprüfung ist man Handwerksgeselle und konzentriert sich von da an nur noch auf das Studium.

STUDIUM
Das Studium Bauingenieurwesen besteht aus sieben Semestern und beginnt im ersten und zweiten Semester mit den Grundlagen des Bauingenieurwesens. Das heißt Fächer wie Mathematik, Physik, Chemie oder Baukonstruktion stehen auf dem Plan.
Im dritten und vierten Semester geht es dann mit den „interessanteren“ Fächern wie Verkehrswegebau weiter, im Zuge dessen man unter anderem auch eine ganze Umgehungsstraße selbst planen kann.  Außerdem stoßen Fächer wie Massivbau, also das Bauen mit Mauerwerk und Beton und Tragwerke hinzu.
Das fünfte Semester ist schließlich das Praxissemester, das einem erneut für mehrere Monate den Einblick in die Arbeit eines Bauingenieures gewährt. Dieses kann man als Praktikant in einem Ingenieurbüro, der Bauleitung oder einem Planungsbüro absolvieren. Als Dualer Student ist es allerdings üblich, dieses im Ausbildungsbetrieb zu absolvieren.
Zurück aus dem Praxissemster dreht sich im sechsten und siebten Semester alles um die Projektarbeit und die Bachelorarbeit. Aber keine Angst, man muss trotzdem nicht auf Massivbau, Stahlbau oder auch Verkehrswegebau verzichten.


PRO & CONTRA DES DUALEN STUDIUMS

NACHTEILE

  • Doppelbelastung durch Studium und Ausbildung teilweise auch parallel Prüfungen
  • Dauer des Studiums verlängert sich um 1 Jahr
  • Harte körperliche Arbeit auf der Baustelle, lange Arbeitszeiten, fast immer der Witterung ausgesetzt, teilweise auch auf Montage
  • keine direkten Vorteile aus der Ausbildung gegenüber den normalen Kommilitonen
  • Wenn man Pech hat, gefällt einem die Ausbildung besser als das Studium.

VORTEILE

  • Aufbau einer langfristigen Beziehung mit einem Unternehmen; über die Dauer der Ausbildung und des Studiums lernt man so ziemlich jeden im Unternehmen kennen: vom Geschäftsführer über den Baustellenelektriker, die gewerblichen Arbeiter bis hin zu den Bauleitern und Polieren der Firma
  • sehr gute Chancen nach Beendigung des Studiums von der Firma übernommen zu werden; folglich auch eine sehr geringe Einarbeitungszeit notwendig, da man mit den Menschen und den Gepflogenheiten des Unternehmens vertraut ist
  • finanzielle Entlohnung während des Studiums, üblicherweise das Ausbildungsgehalt nach Tarif für gewerbliche Auszubildende
  • großer baupraktischer und handwerklicher Erfahrungsschatz
  • höhere Qualifikation, da Ausbildung und Studium
  • viel vom Bau gesehen und kein Start als Bauneuling ins Studium
  • Erweiterung des beruflichen Netzwerkes, da man viele Leute im Unternehmen und in anderen Unternehmen kennenlernt und damit auch einen guten Umgang mit Menschen
  • perfekter Einstieg für diejenigen, die Bauleiter/in werden wollen, da man vieles schon mal selbst gemacht hat; man kann dadurch Kosten, Aufwand, Dauer von Arbeiten besser abschätzen
  • generell besseres „Gefühl“ für Durchführbarkeit und Ablauf von baupraktischen Prozessen


FAZIT
Jetzt nach Ende der Ausbildung und Mitte des Studiums, kann ich sagen, dass es für mich der richtige Weg war Dual zu studieren. Ich habe es sehr genossen nach dem Abitur ein Jahr lang mal etwas komplett anderes machen zu können, als das was ich die 12 Jahre zuvor gewohnt war. Je mehr ich vom Bauen sah und lernte, desto wissbegieriger wurde ich. Außerdem konnte ich mich durch die Ausbildung sehr gut in dem weiten Berufsfeld des Bauingenieurs orientieren und klar feststellen, was mir gefällt und was nicht und somit meine persönliche berufliche Richtung festlegen. Solltet auch ihr euch für ein Duales Studium des Bauingenieurwesens interessieren, könnt ihr euch einfach nähere Informationen auf der Website der FAB, FHWS und der Bauindustrie-Bayern besorgen.